ᐅ Prismenbrille: Alles über die spezielle Sehhilfe [2024]

Sie haben Probleme mit dem räumlichen Sehen oder Ihre Pupillen stehen unregelmäßig zueinander? Dann kann Ihnen vielleicht eine Prismenbrille helfen.

Wenn Sie bei einem netten und ausgelassenen Grillabend mit Ihren Freunden alles doppelt sehen und Sie am nächsten Morgen über Kopfschmerzen klagen, heißt das nicht unbedingt, dass Sie zu tief ins Glas geschaut haben. Es kann auch ein Zeichen für eine Sehstörung sein. Tritt das also nicht nur in und nach solchen lustigen Abenden auf, sollten Sie darüber nachdenken, den Augenarzt aufzusuchen.

In diesem Artikel erfahren Sie, …

  • was Brillen mit Prismengläsern genau sind und wie sie funktionieren,
  • mit welchen Kosten Sie rechnen müssen und inwiefern die Krankenkasse diese übernimmt,
  • welche Vor – und Nachteile die Brille bringt, und einiges mehr.

 

Was ist eine Prismenbrille?

Zunächst sollten wir an dieser Stelle erst einmal klären, was ein Prisma im optischen Sinne überhaupt ist. In der Mathematik handelt es sich um einen speziellen geometrischen Körper. Im Optiker – Bereich spricht man von einem lichtdurchlässigen und lichtbrechenden Körper aus Brillenglas mit mindestens zwei zueinander geneigten und meist flachen Flächen.

Es werden grundsätzlich zwei Arten von diesen speziellen Brillen unterschieden. Diese Arten nutzen zwei verschiedene Funktionsweisen des optischen Prismas:

  • Brillengläser, die nach dem Prinzip des Dispersionsprismas funktionieren und ein manifestes oder latentes (Winkelfehlsichtigkeit) Schielen korrigieren (um diese soll es in diesem Artikel vorrangig gehen)
  • Brillengläser nach dem Prinzip von Reflexionsprismen zur Bildumlenkung bei speziellen Brillen

Nach dem Prinzip des Dispersionsprismas

Dispersionsprismen haben die Eigenschaft, Lichtstrahlen durch Brechung umzulenken.

Für entsprechende Brillengläser bedeutet das, dass sie  die von einem fixierten Objekt ausgehenden Lichtstrahlen so brechen, dass sie genau da auf der Netzhaut auftreffen bzw. zu einer Abbildung führen, wo die korrespondierenden Stellen des abweichenden Auges sind. Auf diese Weise wird das räumliche Sehen bzw. das Sehen mit beiden Augen wiederhergestellt.

Reflexionsprismen zur Bildumlenkung

Reflexionsprismen haben die Eigenschaft, Licht durch Totalreflexion umzulenken. Das bedeutet, dass Sie mit einer entsprechend ausgestatteten Brille quasi um die Ecke sehen können. Diese Brillengläser sollen allerdings keine Fehlsichtigkeiten oder ein muskuläres Ungleichgewicht des Auges korrigieren, sondern sind vielmehr dazu da, bestimmte Aktivitäten sicherer oder praktischer zu machen.

So werden sie z.B. als Sicherungsbrillen beim Klettern genutzt, im Liegen vor dem Fernseher oder beim Lesen im Liegen verwendet, um das entsprechende Bild umzulenken und somit beispielsweise die Arme (beim Lesen) oder den Nacken (beim Fernsehen) zu entlasten.

 

Wie sieht eine Brille mit Prismengläsern aus?

Prismengläser zur Korrektur von Winkelfehlsichtigkeit oder manifestem Schielen können Sie sich wie normale Brillengläser vorstellen, die auf einer Seite, oft wesentlich, dicker sind, als auf der anderen Seite.

Prismengläser zur Bildumlenkung können Sie sich vorstellen wie Keile, die wie normale Brillengläser direkt vor Ihren Augen liegen und bei der Sie direkt in die kleinste Fläche dieser Keile blicken.

 

Was macht eine Prismenbrille mit dem Auge?

Mit einer Winkelfehlsichtigkeit bzw. Schielen geht immer auch ein muskuläres Ungleichgewicht der äußeren Augenmuskeln einher. So zieht z.B. der eine Muskel eines Auges zu stark, während der andere zu schwach ist und nachgibt.

Dadurch wird die Pupille automatisch auf die Seite des stärkeren Muskels gezogen. So wird natürlich der eine Muskel immer stärker, während der andere verkümmert. Schielen bzw. Winkelfehlsichtigkeit und muskuläres Ungleichgewicht bedingen sich dann gegenseitig. Eine individuell angepasste Prismenbrille kann hier für Entspannung sorgen. Doppelbilder können so z.B. vermieden werden.

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Wann brauche ich eine Prismenbrille?

Vor allem latent schielende Augen versuchen durch stärkere Muskelaktivität und zusätzliche Nervenimpulse die Fehlsichtigkeit auszugleichen. Das kann ihnen besser oder schlechter gelingen. Je schlechter es ihnen allerdings gelingt, desto eher kommt es zu Symptomen wie:

  • Schwindel
  • Druckgefühl im Auge und Augenschmerzen
  • Schnelle Ermüdung
  • Tränenschleier
  • Verschwommene Sicht
  • Wahrnehmung von Doppelbildern

Durch Prismengläser können diese Symptome, wenn sie denn nachweislich von einer Winkelfehlsichtigkeit kommen, gelindert werden oder gar ganz verschwinden.

 

Was kostet eine Brille mit Prismengläsern?

Standard – Prismengläser gibt es bereits ab 100 Euro, allerdings sollten Sie hier bei der Qualität nicht sparen. Individuell angepasste und hochwertige Gläser liegen schon eher im Bereich ab ca. 350 Euro aufwärts, in Kombination mit Gleitsicht kommen nochmal mindestens 100 Euro obendrauf.

 

Prismenbrille für Kinder?

Besonders bei Kindern führt latentes oder manifestes Schielen zu Problemen. Zum einen befinden sie sich noch in der Entwicklung, lernen vielleicht gerade, ihren Gleichgewichtssinn zu schulen, oder müssen das Geschriebene an der Tafel oder im Aufgabenheft erkennen können. Hinzu kommt, dass viele Kinder, die offensichtlich schielen, in Schule oder Kita Hänseleien und Mobbing erfahren.

Gerade aus diesen Gründen ist es bei Kindern besonders wichtig, das Problem mit Hilfsmitteln zu beheben oder wenigstens zu lindern. Prismengläser gibt es auch für Kinder jeden Alters und können bei Bedarf individuell angepasst sowie speziell in Kinder – Brillenmodelle eingepasst werden. Allerdings kann dies erst nach einer Bescheinigung der Notwendigkeit durch einen Arzt geschehen.

 

Prismenbrille beim Optiker?

Grundsätzlich können Sie bei jedem kompetenten Optiker in Ihrer Umgebung vorbeigehen und sich dahingehend beraten lassen. In der Regel bietet jeder Optiker die Anfertigung von Prismenbrillen.

Fielmann und Apollo bieten Prismengläser z.B. nicht online an. Auf Anfrage können Sie aber vielleicht direkt in einer Filiale vorbeischauen. Allgemein kann man sagen, dass eine persönliche Vorstellung beim Optiker in Sachen Prismenbrille die beste Möglichkeit darstellt. Dort werden Sie direkt beraten und auf die nächsten möglichen Schritte vorbereitet.

 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Prismengläser?

Gesetzliche Krankenkassen

Bei Kindern bis 14 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich die vollen Kosten für Brillengläser, wenn sie ärztlich verordnet sind und eine Verschlechterung der Sehkraft im Alter ohne gegenwärtige Sehhilfe zu erwarten ist. Prismengläser erfüllen dieses Kriterium allemal.

Bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen braucht es bei Prismenbrillen eine klare ärztliche Verordnung, damit die gesetzlichen Krankenkasse einheitliche Festbeträge dafür zahlen, welche mit der Höhe der Prismenwerte und damit auch der Kosten steigen.

Private Krankenkassen

Private Krankenkassen zahlen grundsätzlich auch bei entsprechender ärztlicher Verordnung. Wie viel das allerdings ist, hängt vor allem von den entsprechenden Versicherungspaketen ab, die Sie abgeschlossen haben. Übernehmen werden bei allem Kassen nur die Gläser, nicht das Gestell und die Fassung.

 

Kann eine Prismenbrille wirklich schädlich sein?

Wacker halten sich die Gerüchte um gesundheitliche Einbußen beim Tragen einer solchen Brille, wie etwa Kopfschmerzen oder Schwächung des Augenmuskels. Doch ganz so ist das nicht. Kopfschmerzen und Probleme bei der Abschätzung von Entfernung können zwar Anfangs eine Nebenwirkung sein, aber nur solange, bis das Auge sich an die veränderten Sichtverhältnisse gewöhnt hat.

Innerhalb weniger Stunden nach dem ersten Tragen sollte das aber erledigt sein. Und nur, weil die Prismengläser den Augenmuskel unterstützen, bedeutet das nicht, dass er selbst dadurch schwächer wird. Im Gegenteil. Es wird lediglich das Gleichgewicht zwischen den beiden Muskeln und deren adäquate Funktion im Wechselspiel zueinander wiederhergestellt.

 

Gibt es Alternativen zu Prismengläsern?

Tatsächlich gibt es eine sehr schnelle und vor allem praktische Alternative, und zwar das Aufbringen einer Prismenfolie auf vorhandene Brillengläser. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie das denn funktionieren soll. Immerhin kann die Folie kein vollwertiges Prisma darstellen, oder?

Naja, doch, schon irgendwie. Statt einem dreidimensionalen Prisma, wird der große Prismenkörper auf der Folie in viele kleine Prismen mit dem gleichen Winkel zerlegt. So entsteht eine etwa 1 Millimeter dicke Folie, welche in Form gestanzt oder ausgeschnitten auf vorhandene Brillengläser aufgeklebt wird.

Ist die Folie eine langfristige Alternative?

In der Regel werden Prismenfolien nur für den Übergang, also temporär, verwendet, um dem Kunden die Möglichkeit zu geben, die Wirkung von Prismengläser in seinem Alltag zu erfahren, und allgemein sicher zu gehen, dass eine Prismenbrille auch wirklich die Lösung des Problems ist und das gewünschte Ergebnis erzielt.

 

Wo finde ich Informationen zur Prismenbrille in meinem Brillenpass?

Im Brillenpass, den Sie in der Regel beim Erwerb einer Brille mit Sehstärke oder Korrektur – Eigenschaft erhalten, aber auch auf der Verordnung für eine Brille vom Augenarzt, ist nachzulesen, ob man beispielsweise aufgrund einer vorhandenen Winkelfehlsichtigkeit Prismengläser zur Korrektur braucht. Das ist dann der Fall, wenn sich Werte unter den Begriffen “Prisma” und “Basislage” finden.

Werte unter oder neben den Bezeichnungen/Abkürzungen “Prismawert”, “Prismenwert”, “P”, “Prism” oder “Pr” geben Ihnen Auskunft über die Stärke Ihrer Fehlsichtigkeit (Einheit: cm/m), während die Werte unter/neben den Begriffen/Abkürzungen “Basislagenwert”, “Basiswert”, “BAS” oder “B” die Wirkungsrichtung des Prismas beschreiben (Einheit: ganzzahlig zwischen 0° und 360°).

 

Die Vor - und Nachteile einer Prismenbrille

Wie die meisten Dinge, haben auch korrigierende Prismengläser sowohl Vor -, als auch Nachteile, welche wir im Folgenden einmal für Sie aufgelistet bzw. zusammengefasst haben.

Vorteile

  • die Augenmuskulatur wird entlastet und kann sich somit entspannen
  • das räumliche Sehen wird verbessert oder gar erst ermöglicht
  • das Sehen von Doppelbilder wird verhindert
  • Sie können sich besser konzentrieren
  • Kopfschmerzen, etwa infolge einer Winkelfehlsichtigkeit, gehören der Vergangenheit an
  • das Auge kann besser und schneller fokussieren, sodass schneller ein scharfes Bild entsteht

Nachteile

  • die Gläser sind zumindest auf einer Seite, oft deutlich, dicker und damit schwerer
  • die Dicke der Gläser sind in schweren Fällen sehr auffällig
  • bei hohen Werten bilden sich womöglich Farbsäume an den Rändern der Prismengläser
  • je höher der Prismenwert ist, desto schlechter wird die Sehleistung der Brille
  • je höher die Werte sind, desto teurer werden die Gläser
  • es besteht die Möglichkeit, dass die nötigen Prismenwerte nach einer Weile steigen, sodass erneute Anpassungen notwendig werden können

 

Fazit

Brillen mit Prismengläsern können durch ausgeklügelte Technik also wahre Wunder bewirken und ein latentes oder manifestes Schielen ausgleichen. Sie haben aber auch ihre Nachteile. Gleichzeitig können sie aber auch, in anderer Form, Freizeitaktivitäten unterstützend sicherer oder angenehmer machen.

Im Falle einer entsprechenden Fehlsichtigkeit oder eines entsprechenden Verdachtes, ist es von enormer Wichtigkeit, dass Sie Ihren Optiker oder Augenarzt aufsuchen. Dort finden Sie Experten, die Ihnen bei den weiteren Schritten zur Lösung Ihres Problems kompetent weiterhelfen können.